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Blickwechsel

– ich kam
um zu dienen,
doch es wurde mir zuerst gedient

Ein persönlicher Erfahrungsbericht aus dem Jahreseinsatz von Paul Degenhardt

Als ich zum Stoffwechsel kam, war ich gerade fertig mit der Schule und der Umbruch meines Lebens stand vor der Tür: Was will ich später mal machen?
Mmmh… gute Frage. Ich saß stundenlang an dieser Frage, aber fand einfach keine Antwort. Diese Zeit meines Lebens wurde von Planlosigkeit und innerer Anspannung regiert – bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich mir selbst gestehen musste, dass ich halt einfach keinen Plan hatte.
Ich beschloss, dass, wenn ich selbst nicht weiß, was ich machen will, es das Sinnvollste wäre, mal etwas für andere zu machen. Einige Zeit später rannte ich vollkommen planlos mit meiner Bewerbung um ein Praktikum zu Stoffwechsel.

Ich habe die Stelle bekommen. Da war ich nun, ein ganzes Jahr als Praktikant beim Stoffwechsel Dresden-Gorbitz. Ich kam an mit eigentlich keinem Plan, aus einer frommen Familie, einem aus meiner damaligen Sicht festen Glauben an Gott und dem Wunsch, anderen dienen zu wollen.
Ein paar Wochen später, bäämm, schlägt eine riesige Bombe in mein Leben ein. Nach knapp einem Jahr verlässt mich meine Freundin. Ich war am Boden zerstört. Zu allem Überfluss hatten wir zwei Tage später auch noch den Stoffwechsel-Jahresstart: Gemeinschaft, die Leute kennenlernen, singen, zusammen essen und einfach eine schöne Zeit haben. Ja ok, aber bitte nicht jetzt, das war mir einfach zu viel. Aber ich wollte auch nicht fehlen, also habe ich mich zusammengerissen und versucht, einigermaßen glücklich auszusehen. Und Gott sei‘s gedankt, dass er mir die Kraft gab!
Ralf Knauthe hat zur Eröffnung des Jahres eine Andacht gehalten und über seinen persönlichen Zerbruch geredet und ich saß da und konnte es nicht fassen. Ich war so berührt! Ich saß auf meinem Stuhl und konnte die Tränen nicht mehr halten. Es tat einfach so weh. Jedes einzelne Wort war wie ein scharfes Messer in meinem Fleisch.

Doch es ging natürlich weiter. Er sagte: „Menschen sind wie Samen. Manchmal werden wir begraben und sind tot. Aber aus dem Tod kommen Wachstum und Leben.“ Er erzählte, wie er durch diesen Zerbruch gegangen sei, wie Gott ihn geheilt und zu neuem Wachstum gebracht hat. Dass dieser Zerbruch ihn seine Identität hat neu finden lassen und seine Beziehung mit Gott seither eine ganz andere Tiefe bekommen hat. – Und ich saß weinend auf meinem Stuhl und wollte das auch! So wie die Worte am Anfang geschmerzt hatten, gaben sie mir nun Hoffnung und mein Herz wurde immer leichter. Ich kam mit zerbrochenem Herzen, weinte bittere Tränen, und am Ende waren es Tränen der Freude. Mein totes Herz hatte begonnen zu keimen.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch ein ganzes Jahr vor mir, in dem dieser kleine Keim wachsen durfte. Je mehr sich mein Jahr dem Ende neigte, desto mehr realisierte ich, dass ich zwar gekommen war, um einen Dienst für Gottes Reich zu tun, aber am Ende haben Gott und alle seine Kinder einen Dienst an mir getan.

Ich habe es bei anderen erleben dürfen und vorgelebt bekommen: Doch am 15. Juni gab ich endlich mein Leben in Gottes Hand. Derzeit gehe ich wieder zur Schule, um danach eine theologische Ausbildung zu beginnen.

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