Für Kinder aus sozialen Brennpunkten ist die Begegnung mit Pferden oft ein ferner Traum. So auch für Luca. Wenn er groß ist, will er eigene Pferde haben und auf einem Hof arbeiten.

Der Junge kam zu uns, als sich seine Eltern trennten. Zu der Zeit hatten wir gerade die therapeutische Arbeit mit unseren beiden Islandpferden begonnen. Die Tiere faszinierten Luca. Vielleicht deshalb, weil sie so wild und stark waren und dennoch ganz sanft und ihm zugewandt. Er genoss die Zeit mit ihnen sehr und lernte schnell, dass man sie sensibel und mit Wertschätzung behandeln muss. So wurde ihm die Arbeit mit den Pferden schon bald zu einem Schutzraum: Hier konnte er unbeschwert sein und gleichzeitig Kraft tanken.

Einmal wollte Luca unbedingt galoppieren. Doch eigentlich war das Pferd dazu noch nicht ausreichend trainiert und erfahren. Aber an diesem Tag schien es zu spüren, dass Luca eine besondere Ermutigung brauchte und galoppierte wunderschön mit ihm – wie als hätte es gewusst, dass Luca vor der Reitstunde gerade eine sehr schlimme familiäre Situation zu meistern gehabt hatte.

Inzwischen ist Luca mit den Pferden so vertraut, dass er etwas von dem weitergeben kann, was er selbst empfangen hat. Als wir ihm anboten, Ponyclub-Helfer zu werden, strahlte er übers ganze Gesicht. Nun leitet er jüngere Kinder im Umgang mit den Pferden an – und das Beste: Er hat riesige Freude dabei, anderen zu helfen.